Erfahrungen unserer weiblichen Mitarbeiterinnen in Führungspositionen

Der 8. März, der internationale Tag der Frauenrechte, ist eine Gelegenheit, soziale, wirtschaftliche und politische Errungenschaften zu feiern, aber auch über die Diskriminierung und Ungleichheiten nachzudenken, wovon Frauen heute noch stark in der Arbeitswelt betroffen sind. Dies ist ein äußerst aktuelles Thema, da die Daten1 zeigen, dass Frauen sowohl von der Pandemie als auch vom Klimawandel besonders stark betroffen sind und die negativen Auswirkungen präsent sind. Die Gleichstellung der Geschlechter und der Kampf gegen die Ungleichheiten sind zentrale Bausteine einer nachhaltigen Entwicklung und entsprechen den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Aus diesem Grund wollen wir, anlässlich dieses Tages und im Rahmen des Nachhaltigkeitsprojekts der Bank, das Thema der weiblichen Leadership aufgreifen. Hierfür lassen wir einige unserer Mitarbeiterinnen in Führungspositionen zu Wort kommen, damit sie ihre Erfahrungen und ihre Sicht der Dinge erzählen können.

JULIA NIEDERMAIR

Leiterin der Kreditverwaltung - Seit Februar 2019 Teil unseres Teams

Beschreibe uns kurz Deine Arbeit und Deinen Werdegang dorthin.

Ich habe 5,5 Jahre in Zürich bei einer internationalen Unternehmensberatung und einer führenden Schweizer Bank gearbeitet, bevor ich entschieden habe in meine Heimat nach Südtirol zurückzukehren. Derzeit bin ich als Leiterin der Kreditverwaltung tätig. Kernaufgabe unseres Teams ist die Ausarbeitung von Finanzierungsverträgen, Einholung von Sicherstellungen sowie Durchführung der Auszahlungen. Die Arbeit ist vielseitig und spannend - auch weil es täglich gilt, Spezialthemen und neue Fragestellungen zu lösen.

Was glaubst du, macht eine gute Führungskraft aus?

Durchsetzungsvermögen, Entscheidungsfreudigkeit, Integrität und ein kooperativer Führungsstil.

Was ist Dein Motto bei der Arbeit?

Schritt für Schritt, jeden Tag eine kleine Änderung.

 


DAGMAR HOFER

Leiterin der Abteilung Kreditüberwachung und Problemkredite - Seit Juni 2017 Teil unseres Teams

Beschreibe uns kurz Deine Arbeit und Deinen Werdegang dorthin.

Meine Abteilung ist für die Überwachung des Kreditportfolios zuständig. Wir kümmern uns um die korrekte Klassifizierung der Risikopositionen und betreuen diese mit dem Ziel, die Kreditausfälle für die Bank zu minimieren. In meiner langjährigen Bankerfahrung habe ich mich im Kreditbereich spezialisiert, habe Kreditberatung, Kreditüberwachung und Kreditrisikomanagement durchlaufen. Dieses fundierte und breite Know-how ist eine ausgezeichnete Basis für die Herausforderung als Leiterin der Abteilung Kreditüberwachung und Problemkredite der RLB.

Finanz- und Bankenwesen sind sehr oft männerdominierte Bereiche - War es schwierig, dich in diesem Umfeld zu behaupten und deine Kompetenzen zu entfalten?

Ich glaube, dass Frauen generell dazu tendieren, ihre Leistung kritischer einzuschätzen, während Männer oft viel selbstbewusster auftreten und deswegen möglicherweise kompetenter wirken. Ich habe versucht mir diese Eigenschaft abzugewöhnen, was mit zunehmender Erfahrung und Kompetenz leichter wird. Außerdem habe ich eine zweijährige Tochter und sehe, dass Frauen immer noch einer anderen Erwartungshaltung ausgesetzt sind als Männer, wenn es um das Thema Familie und Kinder geht.

Was ist Dein Motto bei der Arbeit?

Da nenne ich gerne ein Zitat von Darwin wonach nicht der Stärkste überlebt, sondern derjenige, der am ehesten bereit ist sich zu verändern.


ULRIKE NICOLUSSI-LECK

Leiterin der Abteilung Recht, Governance & ESG Management - Seit 13 Jahren Teil unseres Teams - Seit 4 Jahren tätig als Leiterin der Abteilung Recht, Governance & ESG Management

Beschreibe uns kurz Deine Arbeit und deinen Werdegang dorthin

Wir sind eine recht junge Abteilung im Aufbau und ein kompaktes Drei-Frauen-Team. Das Spannende an unserer Arbeit ist, dass wir uns mit ganz unterschiedlichen Dingen beschäftigen, die zum Teil alle Bereiche der Bank umfassen. Einen typischen Alltag gibt es bei uns eigentlich nicht. Es sind immer wieder neue Herausforderungen dabei, denen wir uns gerne stellen. Grob gesagt beschäftigen wir uns mit den gesellschaftsrechtlichen Angelegenheiten unserer Bank und sind für das Beschwerdemanagement zuständig. Seit drei Jahren haben wir eine wichtige Aufgabe dazubekommen, und zwar das Nachhaltigkeitsmanagement: Wir verfassen den Nachhaltigkeitsbericht, koordinieren das betriebsinterne Nachhaltigkeitsprojekt und kümmern uns um die Umsetzung der damit verbundenen Maßnahmen. Meine Arbeit fordert mich, macht aber großen Spaß. Ich finde es spannend, mit meinem tollen Team immer wieder dort unterwegs zu sein, wo noch kein Weg ist und eine Spur zu hinterlassen.

In Europa werden seit Kurzem drei wichtige europäischen Institutionen weiblich geführt, nämlich die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und das Europäische Parlament. Ist das ein glücklicher Zufall oder ändert sich tatsächlich etwas?

Ob es ein Zufall ist, weiß ich nicht. Es ist auf jeden Fall ein Grund zur Freude. Ein Grund zum Ausruhen ist es nicht; wir sind immer noch entfernt von einer wirklichen Gleichberechtigung. Ich glaube, eine Frau allein kann traditionell männlich geprägten Strukturen selten aufbrechen. Dazu braucht es eine kritische, weibliche Masse. Aber ich habe den Eindruck es tut sich etwas. Beispielsweise bei uns beobachte ich, dass gerade in den letzten fünf Jahren viele junge talentierte Frauen Führungspositionen in der Bank übernommen haben. Das freut mich persönlich sehr. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass gut gemixten Teams besonders konstruktiv arbeiten. In diesem Sinne wünsche ich uns allen Vielfalt in der Arbeitswelt und darüber hinaus. Ich bin überzeugt, es lohnt sich -für alle.

Was ist Dein Motto bei der Arbeit?

Als vierfache Mami versuche ich neben meinen beruflichen Herausforderungen auch meine Familie in all ihren Facetten zu managen. Da stoße ich an meine Grenzen: alleine geht das nicht, ich baue -beruflich wie privat- auf mein Team. Mir ist es daher wichtig, für die Anliegen meiner Teamkollegen da zu sein. Vor allem will ich sie motivieren und ihnen Verantwortung übertragen, damit sie daran wachsen und sich entwickeln können. Das Beste an Teamarbeit ist überhaupt, dass du nie allein bist und dir immer jemand zu Seite steht. 


STEPHANIE PICHLER

Leiterin der Abteilung Human Resources - Seit 13 Jahren Teil unseres Teams - Seit 4 Jahren tätig als Leiterin der Abteilung Human Resources

Beschreibe uns kurz Deine Arbeit und deinen Werdegang dorthin.

Ich habe im November 2017 die Leitung der Abteilung Human Resources übernommen. Der Werdegang dorthin ist etwas ungewöhnlich, aber sehr spannend und zeigt welche Möglichkeiten junge Mitarbeiter bei uns im Betrieb haben, sofern sie sich weiterentwickeln möchten. Zwischen 2014 und 2017 war ich Leiterin der Abteilung Internal Audit. Vorher durfte ich quer durch die Bank eine Ausbildung in den verschiedenen Abteilungen machen. Im Zuge der Reform des Raiffeisensektors haben sich neue Möglichkeiten und Stellen in der RLB ergeben, u.a. auch jene in der Abteilung Human Resources. Bereits einige Zeit zuvor habe ich mein Interesse und nun meine Passion für die Arbeit mit Menschen entdeckt. Und nun könnte ich mir meine Arbeit nicht mehr anders vorstellen, wo ich jeden Tag so vielen verschiedenen Persönlichkeiten und neuen Herausforderungen begegne.

Was sind die größten Herausforderungen für Frauen in Führungspositionen? Welche Rolle spielt hier der Betrieb, um Frauen zu fördern?

Der Frauenanteil in Führungspositionen steigt tatsächlich nur langsam. Das zeigen verschiedene Studien ganz deutlich. Die Herausforderungen sind hier vielschichtig: Zum einen beobachte ich oft – und bekomme das auch in Gesprächen zu hören –, dass Frauen sich bestimmte Positionen und Aufgaben gar nicht zutrauen. Entweder weil sie meinen, das Profil nicht hundertprozentig zu erfüllen, oder weil sie glauben, Beruf und Familie nicht miteinander vereinen zu können. Viele Frauen übernehmen nach wie vor einen Großteil der Aufgaben zu Hause. Da geht es sicherlich auch um die Verteilung der Aufgaben unter den Partnern. Wenn das zu Hause nicht klappt, dann wird es auch im beruflichen Umfeld schwer.

Ein anderer Aspekt und eine weitere Herausforderung sind sicherlich auch die Unternehmenskultur. In den entscheidenden Positionen sitzen eben immer noch überwiegend Männer mit teilweise über die Jahrzehnte gewachsenen Verbindungen und Netzwerken.

Der Betrieb spielt sicherlich eine sehr wichtige Rolle, um Frauen zu fördern. So z.B. können Betriebe, wie seit 2 Jahren die RLB, mit  Kooperationspartnern zusammenarbeiten, die sich unter anderem der Förderung weiblicher Führungskräfte, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder der Schaffung des Angebots familienfreundlicher Arbeitsplätze verschrieben haben.  Die RLB hat seit 2020 die Zertifizierung Audit familieundberuf erhalten, welche zahlreiche attraktive Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit sich bringt (z.B. flexible Arbeitszeiten, verschiedene Arbeitszeitmodelle, Beiträge für Kinderbetreuung, Kontakthaltemöglichkeiten während der Elternzeit)

Was ist Dein Motto bei der Arbeit?

Immer neugierig zu bleiben und keine Angst vor Unbekanntem zu haben.