Geschichte in Bildern

Wir leben Werte.

Vom "Spar- und Darlehenskassenverein" zur Raiffeisenkasse Naturns Gen.

Man schrieb das Jahr 1818, als Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Hamm an der Sieg (Westerwald) das Licht der Welt erblickte, jener Mann, der aus sozialer Verantwortung heraus als bescheidener Landbürgermeister in seinem aufopferungsvollen Leben gegen die Skrupellosigkeit der Geldverleiher und die Unterdrückung der Bauern ankämpfte. Die Idee der gemeinsamen Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung eroberte die Welt und führte auch in Naturns zur Gründung des "Spar- und Darlehenskassenvereins", der heutigen Raiffeisenkasse.

Mit großem Weitblick und unter Vorantreiben des rührigen Pfarrers Anton Lintner war am 25.01.1893 die Gründungsversammlung einberufen worden. Johann Kristanell, Bauer auf Plantitsch, wurde zum Obmann der 21. Kreditgenossenschaft Südtirols im Sinne Raiffeisens gewählt, zum Obmann des Aufsichtsrates wurde Pfarrer Anton Lintner bestellt und die Zahlmeisterstelle wurde Alois Schlögl, Färb, übertragen. Am 16.04.1893 wurden anlässlich der ersten Vorstandssitzung die ersten Geldgeschäfte getätigt. Es wurden die Geschäftsanteile (10 Gulden) und die Beitrittsgebühren (2 Gulden) kassiert sowie bereits die ersten zwei Spareinlagen entgegengenommen.

Am 31.12.1893 waren zu vermerken:

44 Mitglieder
37 Spareinlagen          5.711 Gulden   Zinssatz: 4,5%
20 Darlehen                 4.725 Gulden   Zinssatz: 4,0%

Sicherlich besorgte Gesichter der Verwalter gab es, als im "Paterstübele" im Widumzubau, der ersten Geschäftsstelle, das Geschäftsjahr 1894 mit einem Verlust von 39 Gulden und 82 Kreuzern abschloss. Die Dorfbewohner hatten jedoch alsbald erkannt, welch gute Tat die "Männer der ersten Stunde", die Gründungsmitglieder, mit dem Aufbau der Kreditgenossenschaft vollbracht hatten. So steigerten sich die Einlagen von 1897 mit 30.404 Gulden auf 333.443 Gulden im Jahre 1910. Die Ausleihungen hatten sich in dieser Zeit verzwölffacht. Im Zuge der Währungsvereinheitlichung musste ab 01.01.1900 die Rechnungsführung in Kronen erfolgen, 1 Gulden entsprach 2 Kronen.

 

1914 bis 1970

Das Jahr 1914 brachte für Südtirol eine schlimme Wende. Die Schwierigkeiten während der Kriegsjahre, die Zeichnung beträchtlicher Summen an Kriegsanleihen, Kursverluste usw. machten der Kasse schwer zu schaffen.

Am 25.05.1919 fand unter Obmann Alois Pircher, Martschein, die erste Vollversammlung nach dem Kriege statt, bei der die Bilanz zum letzten mal in Kronen erstellt wurde. Am 22.02.1920 wurde das erste Darlehen in Lire bewilligt. Auf der Jahresbilanz 1922 sieht man den Namen der Raiffeisenkasse erstmals ins italienische übersetzt: "Cassa Rurale Naturno Consorzio registrato a garanzia illimitata". Aus der Jahresrechnung 1924 ist zu entnehmen, dass in diesem Jahr ein Einbruch verübt wurde.

Der Höchstbetrag der für den einzelnen Spareinleger zulässigen Einlage war mit 20.000.-, der Mindestbetrag einer Einlage war mit Lire 2., festgelegt.

Im Jahre 1933 wurde das von Frau Mühlsteiger Maria, Hotel Post, feilgebotene Gebäude (Eiskeller) angekauft, das Kassenlokal mit Kassierwohnung wurde 1938 fertiggestellt.

Die Zeit des Faschismus brachte einiges mit sich. So wurde am 06.06.1936 ein Italiener als kommissarischer Verwalter eingesetzt. was zur Folge hatte, dass die Sitzungsprotokolle bis 1943 in italienischer Sprache abgefasst und dem Vorstand bis  Jahresende jede Handlungsfähigkeit genommen wurde.

Neue Schläge mussten hingenommen werden, die mehrere Banken in Schwierigkeiten brachte: der Ausbruch des 2. Weltkrieges und das am 23.06.1939 zwischen den Diktatoren Hitler und Mussolini abgeschlossene Umsiedlungsabkommen, das die Aussiedlung der Südtiroler in Deutsche Reich vorsah. Viele standen vor dem Nichts, da das Geld fast zur Gänze entwertet wurde. Die Geldinstitute, die überlebt hatten, konnten nach dem Weltkrieg der Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. Dank umsichtiger Verwaltung ging es mit unserer Raiffeisenkasse wieder bergauf.

Im Jahre 1947 beschloß die Jahresversammlung den Bau eines "Vereinshauses" (heutiges "Johann-Platzgummer-Haus"), in welchem nebst einer kleinen Wohnung ein Saal für die Musikkapelle und andere gemeinnützige Vereine entstehen sollte. Dies wurde 1949 verwirklicht. Das Gebäude diente für Konzerte und Musikproben, Versammlungen. Seit 1953 konnte das Haus als Kinosaal und für Musikproben Verwendung finden.

In den 50er Jahren festigte sich die Wirtschaft, der Fremdenverkehr, der bescheiden angefangen hatte, entwickelte sich langsam zu einer der Haupteinnahmequellen von Naturns und Plaus. Es wurde eine äußerst rege Bautätigkeit ausgelöst, wovon alle damit zusammenhängenden Handwerksarten profitierten. Auch die Landwirtschaft brachte durch die Umstellung auf Erwerbsobstbau viel Geld in die Gemeinden. All diesen Aufschwung hat die Raiffeisenkasse mitgetragen und durch Kredite mit gefördert.

 

1970 bis heute

Das Dienstleistungsangebot der Raiffeisenkasse wurde in den letzten vier Jahrzehnten stark erweitert, Einlagen und Ausleihungen stiegen sehr rasch an, das Kassenlokal konnte wegen Platzmangel den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Deswegen schritt man im Jahre 1974 an den Bau des heutigen Verwaltungsgebäudes. Schon frühzeitig wurde die Technik in den Dienst der Kunden und Mitglieder gestellt.

Im Jahre 2002 wurde das Obergeschoß (Direktion, Kreditabteilung und Buchhaltung) und im Jahr 2005  das untere Erdgeschoß (Servicestelle und Beratungsbüros) fertiggestellt und mit neuen modernen Maschinen ausgestattet. 2013 wurden die vier Serviceschalter umgebaut und mit modernen Banknotenzählmaschinen ausgestattet.

Im Mittelpunkt blieb stets der Mensch. Wer kennt die lange Liste jener Namen, die sich im Aufbau und in der Führung der Kasse verdient gemacht haben? Es würde zu weit führen, diese hier namentlich festzuhalten. Ihnen allen gilt der Dank der Dorfgemeinschaft.

Das Persönliche, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft unserer Mitarbeiter und die Zufriedenheit der Mitglieder und Kunden gehören heute genauso zur einheimischen Genossenschaftsbank wie das Giebelzeichen.