Rad verbindet: Rahmenprogramm zur Tour of the Alps 2022

Das Fahrrad verbindet Menschen und überwindet Grenzen. Dafür steht die Tour of the Alps, das Euregio-Radrennen durch Südtirol, Trentino und Tirol. Im Jahr 2022 ging es in fünf Etappen auch über Lana zum großen Finale nach Lienz in Osttirol. Und es ging um mehr: die Marktgemeinde Lana, allen voran Bürgermeister Harald Stauder hatte als Etappenort zu einem Rahmenprogramm geladen, in dem informiert, inspiriert und motiviert wurde. Rund ums Rad, gemeinsam mit dem Städtenetzwerk Südtirol City, dem Institut für Public Management der Eurac Research und Stars der Szene.

Management-Lektionen vom härtesten Radrennen der Welt

Die Spannung stieg. Im Vorfeld der Etappenankunft in Lana wurden nicht nur Bäume mit Fahrrädern dekoriert, sondern es wurde auch informiert. Genau genommen am Abend des Ostermontag, 18. April 2022 im Raiffeisensaal. Kein geringerer als der renommierte Professor für Strategisches Management und Leadership an der Universität Innsbruck Kurt Matzler sprach zum Thema: „Leadership-Lektionen vom härtesten Radrennen der Welt“. Gemeint ist das Race Across America, das Prof. Matzler mit seinem Viererteam zwischen 2016 und 2019 viermal absolviert und dabei sehr viel gelernt hat. Unter anderem über Planung, Selbstmanagement, Psychologie, Motivation, Teamführung und Disziplin. Und er hat bereits über vier Millionen Dollar für den guten Zweck gesammelt, konkret als Rotary-Aktion zur Ausrottung der Kinderlähmung. Das ist auch seine Motivation. Und damit diese über eine Woche lang auf den über 5.000 Kilometern und 52.000 Höhenmetern bei Hitze, Wind und Kälte nicht verloren geht, darf man das große Ziel nie aus den Augen verlieren. Genauso wie im beruflichen und privaten Umfeld, so Prof. Matzler, der aus Sterzing stammt und inzwischen zu den meistzitierten Strategieprofessoren der Welt gehört.

 

Symposium rund ums Rad

Nie stehen zu bleiben, stets innovativ und zukunftsorientiert zu handeln, gilt es ebenso für Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung, wenn es um das Thema Radmobilität geht. Darüber waren sich auch die Expertinnen und Experten in einem Symposium unmittelbar nach dem Zieleinlauf der Tour-Etappe in Lana einig. Kurz nachdem der strahlende Sieger Bilbao Lopez de Armenti aus Spanien mit Blumen und Champagner beschenkt und von Rad-Legende Francesco Moser beglückwünscht worden war, wurde im Raiffeisensaal von Lana intensiv diskutiert. Über die Bedürfnisse der Radfahrenden, das Fahrrad als Wirtschaftsfaktor, Sicherheitsaspekte, nachhaltige Stadt- und Ortsentwicklung und welchen Mehrwert Sportgroßveranstaltungen wie die Tour of the Alps bringen. Deutschlands erste Professorin für Radverkehrsmanagement Jana Kühl zeigte auf, wie es gelingen kann, Menschen in Stadt und Land vom Auto auf das Fahrrad zu bringen. Der Direktor des Landesressorts für Infrastruktur und Mobilität Martin Valazza erläuterte konkrete Schritte zu vernetzter und intermodaler Mobilität in Südtirol. Ex-Radprofi Thomas Rohregger aus Tirol verwies auf die guten Radwege hierzulande und die große Begeisterung für das Thema Rad und zeigte sich optimistisch, was die Zukunft des Radlandes Südtirol angeht. Zuversichtlich zeigte sich auch der Schweizer Unternehmer und ehemalige Gemeindepräsident Marcel Iseli, der als Sportdirektor Europas größten Anbieter für Radtouren „Hürzeler – das Radsporterlebnis“ führt, mit jährlich 5.000 Mieträdern und 40.000 Radfahrerinnen und Radfahrern allein auf Mallorca. Dabei, so Marcel Iseli, hat die Corona-Pandemie trotz schmerzhafter Einschnitte auch einiges zurechtgerückt, ganz im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. In diese Richtung argumentierte auch der Bürgermeister der Stadt Brixen und zugleich Präsident des Südtiroler Städtenetzwerkes Peter Brunner. Es gelte die Zeichen der Zeit zu erkennen und Nachhaltigkeit im Sinne einer ausgewogenen ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung ernst zu nehmen. Auch die Digitalisierung biete Chancen, Mobilität zeitgemäß zu optimieren. Das Institut für Public Management der Eurac Research unterstützt das dort angesiedelte kommunale Netzwerk und dessen Entscheidungsträger durch aktuelles Wissen und Daten zu Radnutzung, Verkehrsunfällen, Rettungseinsätzen, wirtschaftlicher Bedeutung und Anreizsystemen.

 

Weltmeisterlich für den guten Zweck

Emotionaler Höhepunkt der Veranstaltung in der Gemeinde Lana war Italiens Radstar und Ex-Weltmeister Francesco Moser, der neben anderen Testimonials wie Mountainbike-Weltklassefahrerin Eva Lechner aus Eppan, Ex-Profi Mariano Piccoli aus Trient und Tour de France-Teilnehmer Renato Marchetti aus Bozen anwesend war. Dabei wartete Francesco Moser mit einigen Anekdoten aus seinem Leben und seiner Karriere auf. Offroad-Weltcupsiegerin und Vize-Weltmeisterin Eva Lechner erzählte von den Besonderheiten im Frauenradsport, ihren größten Erfolgen und wie junge Menschen sich für das Rad begeistern können. Zum Abschluss wurden in einer Benefizaktion für die Ukraine unter der Schirmherrschaft des ehemaligen Gesundheitslandesrates Richard Theiner Spenden zu Gunsten der Kinderpalliativstation in Kiew gesammelt. Dazu hatten die Mitgliedsstädte des Südtiroler Städtenetzwerkes Bozen, Brixen, Meran, Sterzing, Bruneck, Klausen und Glurns Gutscheine und Sachspenden beigesteuert sowie die eingeladenen Testimonials erlesene Geschenke mitgebracht. Die Aktion brachte knapp 700 Euro an Spendengelder ein und wurde zusätzlich mit 1.500 Euro von der Raiffeisenkasse Lana unterstützt.

 

 

Kooperationsinitiative zwischen Eurac Research, Städtenetzwerk Südtirol City, Marktgemeinde und Raiffeisenkasse Lana

 

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