Eigeninitiative im bröckelnden Sozialstaat gefragt

Raiffeisen im Dialog zum Thema Vorsorge

Brixen, 16.11.2016: Leere Staatskassen, schrumpfende öffentliche Renten, Sparprogramme im Gesundheitssystem… Bürger können sich nicht mehr auf soziale Sicherungsnetze verlassen und sind zunehmend gefordert, selbst für sich und ihre Lieben finanziell vorzusorgen: Am 16. November lieferten eine Reihe von Fachexperten auf Einladung der Raiffeisenkasse Eisacktal rund 120 Teilnehmern wichtige Impulse für die aktive Gestaltung der finanziellen Zukunft ihrer Familie und ihres Unternehmens. Das Motto: „Sozialstaat am Ende? Eigeninitiative gefragt!“

360-Grad Vorsorge: themenspezifische Fachvorträge für Private und Unternehmen

Das Nachmittagsprogramm bestand aus fünf Fachvorträgen, die jeweils ein Thema für eine Zielgruppe aufgriffen. Drei der Referate widmeten sich dem Vorsorgebedarf von Privatpersonen und Familien: So konnten sich Frauen bei der Expertin für Zusatzrentenformen, Judith Gögele von der Pensplan Centrum AG, wichtige Anregungen und Tipps zur privaten Altersvorsorge und Absicherung gegen die finanziellen Risiken holen, die sich etwa durch die heute nach wie vor vielfach von Frauen in Anspruch genommenen Erziehungs- und Pflegezeiten sowie Teilzeitarbeit ergeben.

Michael Atzwanger, Vorstand der Alpenbank AG, zeigte unter dem Titel „Cleveres Vererben“ die Möglichkeiten einer gut durchdachten Nachlassplanung auf. Beim Vortrag „Auf die Zukunft bauen“ informierten Raiffeisen-Wohnbauberater Christoph Nössing und Raiffeisen-Privatkundenberater Claudio Daprà über die Vorteile des jungen, aber inzwischen sehr erfolgreichen Südtiroler Bausparmodells.

Zwei Vorträge waren speziell auf Unternehmen zugeschnitten: Der Raiffeisen-Experte für Vorsorgefragen, Alfred Gargitter, widmete sich in seinem Vortrag „Welfare & Business“ verschiedenen Modellen der Vorsorge für Selbstständige, Unternehmer und ihre MitarbeiterInnen. Anschließend präsentierte der Experte Kurt Schappelwein von Raiffeisen Capital Management aus Wien konkrete Anlagestrategien für Unternehmen in den heutigen Zeiten historisch niedriger Zinsniveaus.

Raiffeisen Talk - der schwindende Sozialstaat im Fokus

Abgeschlossen wurde der Raiffeisen-Vorsorgetag mit dem von Anita Rossi moderierten Raiffeisen Talk, einem Dialog von Fachexperten und Publikum zum modernen Sozialstaat. Die deutsche Volkswirtin Margaret Heckel, Michael Atzwanger und die SVP-Kammerabgeordnete Renate Gebhard diskutierten über die Herausforderungen des modernen Sozialstaates, der durch demografischen Wandel sowie durch soziokulturelle und politisch-ökonomische Veränderungen vor große Herausforderungen gestellt wird. Seine Möglichkeiten, die bisher bekannten sozialen Sicherungsnetze aufrechtzuerhalten, werden immer stärker eingeschränkt, und die Bürger finden sich in allen Bereichen vermehrt auf sich alleine gestellt. Dies betrifft insbesondere die Bereiche der sozialen Absicherung, von der Altersvorsorge bis hin zum öffentlichen Gesundheitssystem.

Der Einzelne ist daher verstärkt aufgefordert, Eigenverantwortung zu übernehmen und privat vorzusorgen, um auftretende Lücken zu schließen. So sind es heute nicht mehr nur Vermögende, die sich eine private Krankenversicherung als Ergänzung zur staatlichen Gesundheitsversorgung leisten.

Eigeninitiative fällt aber nicht immer leicht: Im Gegensatz zu früheren Generationen müssen junge Menschen heute schon in frühen Jahren Geldmittel für ihre private Rentenvorsorge zur Seite legen, um sich den Lebensstandard im Alter zu sichern, doch bei den häufig niedrigeren Gehältern und prekären Arbeitsverhältnissen gelingt das vielen nicht. Renate Gebhard wies auf die besondere Situation in Italien hin, wo neben hohen Staatsausgaben auch eine bedrückend hohe Jugendarbeitslosigkeit den politischen Diskurs prägt.

Und doch führt kein Weg an einer Umgestaltung des Sozialstaates mit einer damit verbundenen größeren Eigenverantwortung vorbei. Mit dem Einkommen, betont Michael Atzwanger, muss zukünftig nach den für das Leben notwendigen Ausgaben zuerst in Vorsorge investiert werden, bevor man sich Konsumgüter leistet. Gefragt seien auch, so Margaret Heckel, alternative Modelle für die Gestaltung der zweiten Lebenshälfte. Länger zu arbeiten müsse keine Belastung sein. Das Fazit des Abends: Ein radikales Umdenken ist gefordert.

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