Finanzverwaltung setzt auf neuen Einkommensmaßstab
Im Kampf gegen die Steuerhinterziehung greift die Finanzverwaltung vermehrt auf technische Hilfsmittel zurück. Eine der neuesten Methoden zur Feststellung des Einkommens der Steuerpflichtigen ist der sogenannte „neue Einkommensmaßstab“.
Beim neuen Einkommensmaßstab (redditometro) handelt sich um eine Software, bei der das Gesamteinkommen eines Steuerpflichtigen mit Hilfe verschiedener Indikatoren synthetisch festgestellt werden kann. Aufgrund der getätigten Ausgaben einer Person oder Familie werden Hinweise über deren Beitragsfähigkeit abgeleitet. Hierzu werden die unterschiedlichsten Ausgaben eines Steuerpflichtigen aus verschiedenen Quellen gesammelt und mit dessen Einkommen verglichen. Zweck ist es festzustellen, ob sich jemand anhand des erklärten Einkommens bestimmte Ausgaben überhaupt leisten kann.
Breite Informationsquellen
Die Finanzverwaltung entnimmt die Daten einer Vielzahl von elektronischen Meldungen der einzelnen Unternehmen, die in der Zentralen Steuerkartei (Anagrafe Tributaria) zusammenfließen. Beispielsweise werden die Daten für Strom-, Trinkwasser- oder Wärmelieferungen vom jeweiligen Lieferanten jährlich der Steuerbehörde gemeldet. Die Banken und Finanzintermediäre müssen die mit den Kunden unterhaltenen Geschäftsverbindungen mitteilen. Verschiedene Informationen werden über den Datenaustausch der Behörden erhoben (INPS, INAIL, Gemeinden, öffentliches Automobilregister u. a.). Zudem müssen über die Kunden- und Lieferantenlisten (spesometro) die für die Mehrwertsteuer relevanten Ein- und Verkäufe ab einem Betrag von 3.000 Euro sowie die Leasing- und Vermietungstätigkeit mittels eigener Meldungen mitgeteilt werden. Ebenso ist die Überlassung von Betriebsgütern (z.B. Fahrzeuge oder Wohnungen) in Nutzung an die Gesellschafter meldepflichtig.
Lebensstandard und Einkommen
Der neue Einkommensmaßstab arbeitet mit über 100 verschiedenen Ausgabentiteln des täglichen Lebens, die in sieben Kategorien gegliedert sind: Wohnung, Transportmittel, Versicherungen und Fürsorgebeiträge, Ausbildung, Ausgaben für Sport, Kultur und Freizeitgestaltung, Investitionen in Immobilien und Titeln. Unter Berücksichtigung der Zusammensetzung der Familie und der geographischen Lage wird aufgrund des erhobenen Lebensstandards das Familieneinkommen abgeleitet und bei einer Abweichung zum effektiv verfügbaren Einkommen kommt es zu den entsprechenden Kontrollen.
Das neue elektronische Kontrollinstrument soll zu einer verbesserten Steuermoral und dadurch zu höheren Steuereinnahmen verhelfen.

