Die Idee: Selbsthilfe und Selbstverantwortung

Als der 27-jährige Friedrich Wilhelm Raiffeisen 1845 Bürgermeister in Weyersbusch in der preußischen Rheinprovinz wird, trifft er auf eine verarmte Landbevölkerung. Mitte des 19. Jahrhunderts müssen sich die bäuerlichen Selbstversorgungsbetriebe gegen industriell gefertigte Massenware und billige Nahrungsmittelimporte behaupten. Deren Stellung im Wettbewerb ist denkbar schlecht. Denn bei der Kapitalbeschaffung sind die Bauern auf skrupellose Geldverleiher und Wucherer angewiesen. „Eine Familie nach der anderen wird zugrunde gerichtet”, empört sich Raiffeisen und beschließt deshalb, „dem auf falscher Fährte befindlichen Zeitgeist eine andere Richtung zu geben”.

Seine Grundsätze sind einfach: Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. 1864 entsteht in Heddesdorf unter Raiffeisens Leitung der erste Darlehenskassen-Verein – die Geburtsstunde der ersten Raiffeisenkasse.

Eine starke Allianz

Hinter der Marke Raiffeisen steht in Südtirol eine starke, leistungsfähige, solidarisch geführte und dem Gemeinwohl verpflichtete Wertegemeinschaft. Die Lehren Friedrich Wilhelm Raiffeisens hat man hier nie aus den Augen verloren. „Es bildete sich hiermit immer fester der Entschluss aus, für die Vereine eine eigene Bank ins Leben zu rufen, um die aus dem Bankverkehr entspringenden Vorteile den Vereinen selbst zuzuwenden”, berichtet Raiffeisen. 1872 gründet er die Rheinische Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank. Das Institut soll den Liquiditätsausgleich zwischen den Darlehensvereinen ermöglichen.

1973 entsteht in Südtirol die Raiffeisen-Zentralkasse und spätere Raiffeisen-Landesbank als Nachfolgerin der 1927 aufgelösten Landwirtschaftlichen Zentralkasse. Die Landesbank ist heute das zentrale Geld- und Kreditinstitut der Raiffeisen-Genossenschaften und bildet mit den Raiffeisenkassen das Rückgrat des weit verzweigten Raiffeisennetzwerks.