Inflation – ein unaufhaltsamer Prozess oder nur Schwarzmalerei?
„Scheinsicherheit“ durch hohe Liquidität
Wie so oft in den letzten Monaten sind Marktbewegungen heute schwer nachzuvollziehen. Obwohl der Präsident der US-Fed, Ben Bernanke mitteilt, dass er aufgrund einiger Schwächesignale aus der Wirtschaft weiterhin an der expansiven Geldpolitik festhalten wird, geht die US-Währung in die Höhe.
Auch wenn eine solche Ankündigung normalerweise zu einer Dollarschwäche führen müsste.
Offenbar macht noch mehr durch die Zentralbanken geschaffenes Frischgeld und die damit zusammenhängenden Risiken dem Markt keine Angst mehr. Vielmehr wird auf die Entschlossenheit der "Währungshüter" vertraut, die Märkte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, also auch der Notenpresse, zu stützen.
Trinkt die Kuh nicht, führen wir ihr Wasser zu
Ein Blick auf die Bilanzsumme der größten Notenbanken der Welt, allen voran der US-Fed und der EZB zeigt, dass diese in den letzten 3 Jahren eine Verdreifachung wenn nicht gar eine Vervierfachung ihrer Bilanzsumme in Kauf genommen haben.
Dies ist mit einer Neuschaffung von Liquidität oder Frischgeld gleichzusetzen. Bemerkenswert ist, dass diese Entwicklung zeitgleich bei den wichtigsten Notenbanken der Welt festzustellen ist. Dahinter steckt grundlegend der Gedanke des Nobelpreisträgers Milton Friedman, die Konjunktur am besten über die Geldpolitik zu steuern. Trinkt die Kuh nicht, so muss man ihr mehr Wasser zuführen, lautet das Motto.
Eine zeitgleiche Ausdehnung der Geldmenge ist aber mit einem übervollen Stausee vergleichbar, dessen Staumauer von Sprüngen durchsetzt ist. Das Überwasser spült einmal den einen Vermögenswert nach oben, so bis 2000 bei Aktien geschehen, dann die Immobilien, wie bis zum Ausbruch der Subprimekrise in den angelsächsischen Nationen eingetreten, dann wieder sicher geglaubte Staatsanleihen, wie heute festzustellen und schließlich wieder Rohstoffe, die immer wieder Spekulationsphantasien wecken.
Bisher keine steigenden Preise
Dass bis dato die Konsumentenpreise durch diese expansive Geldpolitik nur in geringem Masse in Mitleidenschaft gezogen wurden, hat zum Einen mit der Globalisierung der Handelsflüsse zu tun, welche zur Auslagerung vieler Produktionsstätten in Billiglohnländer führte. Zum anderen spielt die internationale Vernetzung durch das Internet seit Ende der 90er Jahre eine Rolle bei der Preisentwicklung. Die Preistransparenz bei handelbaren Gütern wurde dadurch gesteigert und folglich steigende Preise erschwert. Zu diesen zwei strukturellen Faktoren gesellte sich in den letzten drei Krisenjahren noch die sinkende Nachfrage in den Industrienationen, die Folge der Kaufkraftverluste - man denke an die steigenden Arbeitslosenzahlen - war.
Anzeichen für mögliche Inflation wachsen
Nichtsdestotrotz ist die Gefahr, dass der Damm bricht, und die Inflationszahlen schneller galoppieren, in den letzten Monaten merklich angestiegen. Nicht nur mehren sich Großereignisse, welche die Lebensmittelpreise antreiben, so die extreme Hitzeperiode in Russland, Kasachstan und der Ukraine oder aber die enormen Überschwemmungen in Pakistan und China, welche Engpässe bei der Versorgung mit verschiedenen Getreidearten auslösten. Auch Großunfälle, wie jener der BP im Golf von Mexiko wirken preissteigernd, da die nun folgenden höheren Sicherheitsstandards bei Tiefseebohrungen weltweit zu höheren Kosten von Energieträgern führen.
Der wichtigste preistreibende Prozess aber findet heute in China statt. Es handelt sich um eine zweistellige Lohn-Preisspirale. Da China derzeit bei Konsumgütern als die Werkbank der Welt gilt, haben Lohnanpassungen in Shanghai zwangsläufig Auswirkung auf die Preise der Konsumgüter in New York.
Preistreibende Tendenzen vorhanden
Die Notenbanker tendieren derzeit dazu, weiter auf dem Gaspedal der Geldschaffung zu verharren, um die Märkte zu stützen. Inflation wird klar als das kleinere Übel angesehen.
Doch sobald sich die Überzeugung, dass steigende Preise anstehen, sich auch in den Köpfen der Konsumenten durchsetzt, wird eine Preisspirale nach oben einsetzen, die ins Irrationelle abgleiten kann. Wenn diese nur von Gefühlen und Emotionen geleitet wird, besteht die Gefahr, dass steigende Preise nicht mit einer wirtschaftlichen Gesundung in einzelnen Ländern einhergehen müssen. Wenn aufgrund struktureller Schwächen (Überschuldung der Familien und der Staaten in den angelsächsichen Ländern, Überalterung der Bevölkerung in Japan und Europa) die Wirtschaft weiter nicht anzieht, ist ein Phänomen wahrscheinlich, welches unter dem Begriff Stagflation bekannt ist. Dies aber wäre für Notenbanker ein Albtraum, da hierbei nur mehr die Wahl zwischen Rezession oder Inflation bestünde. Ein Kampf gegen die Rezession verlangt nach Schaffung von noch mehr Liquidität, eine Bekämpfung der Inflation nach weniger.
Somit ist sicher. Die Vorboten der Inflation sind zu erkennen; die Frage lautet nur, wann genau sie schlagend werden.
Inflationssichere Anlagemöglichkeiten bieten Schutz
Um sich gegen diesen Trend zu schützen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Veranlagung in Tagesgeld, in inflationsgeschützte Anleihen, in selbst genutzte Immobilien, in etwas Land, Firmenwerte bzw. Aktien nach einem noch eintretenden Rückgang der Kurse, eventuell Edelmetalle (bei Berücksichtigung der damit zusammenhängenden Risiken) oder aber Hartwährungen wie den Schweizer Franken und schließlich ein verlässliches soziale Umfeld mit Familie und vielen Freunden sind sicher die besten Investments, die man sich geben kann.

